Der Schmerz ist oft nicht der Anfang

Viele Menschen kommen zu mir und sagen: „Christian, der Schmerz ist plötzlich gekommen.“

Beim Aufstehen. Nach einer falschen Bewegung. Nach einem langen Arbeitstag. Beim Heben einer Kiste. Gestern war angeblich noch alles in Ordnung – und heute macht der Rücken zu, die Schulter schmerzt oder die Wirbelsäule lässt kaum noch Bewegung zu.

Ich glaube dir, dass es sich so anfühlt. Nach fast 20 Jahren in meinem Beruf glaube ich aber nicht mehr, dass die Geschichte des Schmerzes wirklich erst an diesem Tag beginnt.

Darum frage ich nicht nur:
Was hast du gestern gemacht?

Ich frage:
Was ist in den letzten zehn Jahren in deinem Leben passiert?

Wie hast du gearbeitet? Wie viel hast du getragen? Wie oft bist du über deine Grenzen gegangen? Gab es schon in deiner Jugend Probleme mit der Wirbelsäule? Gab es Unfälle, Operationen, schwere körperliche Arbeit, Schlafmangel oder jahrelangen Stress?

Wie oft hast du bereits gespürt, dass etwas nicht stimmt – und bist trotzdem weitergelaufen?

Oft kommt dann die Erkenntnis: Ganz neu ist das alles eigentlich nicht.

Vielleicht war da schon vor Jahren ein Ziehen. Vielleicht ist der Schmerz bereits in der Jugend zum ersten Mal aufgeflackert. Vielleicht gab es immer wieder Verspannungen, Kopfschmerzen oder das Gefühl, dass sich eine Bewegung nicht mehr so frei anfühlt wie früher.

Der Körper hat es nur lange geschafft, damit umzugehen.

 

Es ist ein Wunder, was unser Körper aushält

Der menschliche Körper ist für mich ein Wunder.

Es ist unglaublich, was er über Jahre tragen, ausgleichen und kompensieren kann. Wir sitzen zu lange, arbeiten in ungünstigen Positionen, heben, tragen, stehen und funktionieren. Wir schlafen zu wenig, machen kaum Pausen und erwarten trotzdem, dass unser Körper alles irgendwie wegsteckt.

Und sehr oft tut er das tatsächlich.

Ein Muskel übernimmt für einen anderen. Eine Körperseite hält immer stärker fest, während die andere ausweicht. Bewegungen verändern sich langsam, ohne dass du es sofort bemerkst. Der Körper findet immer wieder neue Wege, damit dein Alltag weiterlaufen kann.

Doch irgendwann ist eine Grenze erreicht.

Dann reicht vielleicht eine einzige Bewegung und der Schmerz ist da. Diese Bewegung muss aber nicht die eigentliche Ursache gewesen sein. Vielleicht war sie nur der letzte Tropfen.

Der Schmerz ist dann nicht der Anfang.

Er ist der Moment, in dem dein Körper nicht mehr weiter ausgleichen kann.

 

Schmerz hat eine Geschichte

Schmerz entsteht oft aus vielen Jahren Leben.

Aus Erfahrungen, Ereignissen, körperlicher Arbeit, alten Verletzungen, Haltung und Überforderung. Manchmal haben wir schon als Kinder oder Jugendliche begonnen, bestimmte Bewegungen zu vermeiden oder Belastungen anders zu verteilen.

Manchmal ist es auch einfach Pech.

Nicht alles lässt sich verhindern. Nicht jeder Schmerz bedeutet, dass du falsch gelebt hast. Es gibt Erkrankungen, Unfälle und Voraussetzungen, die wir nicht vollständig beeinflussen können.

Trotzdem ist die Frage wichtig:

Was ist die Geschichte hinter deinem Schmerz?

Wo hat sie begonnen? Was hat dein Körper über Jahre getragen? Und welche Signale waren vielleicht schon viel früher da?

Ein Leben vollkommen ohne Schmerz halte ich für unrealistisch. Aber wir können versuchen, ihn zu reduzieren, ihn früher zu verstehen und nicht erst zu reagieren, wenn der Körper bereits schreit.

 

Können wir aus diesem Wirrwarr überhaupt aussteigen?

Wir leben in einer Welt, in der fast jeder nur noch am Rackern ist.

Wir arbeiten, organisieren, fahren, telefonieren, kümmern uns um unsere Familien und versuchen, überall gleichzeitig zu funktionieren. Pausen werden nicht eingeplant. Sie werden irgendwann nachgeholt. Erholung wird auf später verschoben.

Wir nennen das Alltag.

Oft ist es aber ein Hamsterrad.

Können wir aus diesem Wirrwarr überhaupt aussteigen?

Ich glaube: sehr schwer.

Wir können nicht alle unsere Verpflichtungen ablegen. Wir können nicht einfach kündigen, in den Wald ziehen und ein vollkommen anderes Leben führen. Wir haben Familien, Rechnungen und Menschen, für die wir Verantwortung tragen.

Darum ist für mich nicht die Frage, wie wir unser ganzes Leben verlassen.

Die Frage ist:

Wie können wir uns innerhalb dieses Lebens Freiräume schaffen?

Wie können wir uns mental ein Stück vom Hamsterrad abkoppeln, ohne ein Aussteigerleben führen zu müssen?

 

Stürmen und Drängen und Frühlingserwachen

Ich möchte hier nicht so tun, als wäre jede Form von Anstrengung schlecht.

Das wäre nicht ich.

Ich bin selbst ein Grenzgänger. Ich gehe gerne über Grenzen. Wenn mich ein neues Projekt begeistert, arbeite ich auch bis drei Uhr in der Früh. Dann bin ich in diesem High. Dann entsteht etwas. Dann stürme und dränge ich.

Ich erreiche gerne etwas. Ich erschaffe gerne etwas. Und manchmal vergesse ich dabei die Zeit.

Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied:

Es steckt ein Sinn dahinter.

Ich arbeite nicht bis drei Uhr in der Früh, weil mich jemand in eine Spirale zwingt, die mir keine Freude mehr macht. Ich mache es, weil ich genau dort sein will. Weil ich eine Idee habe. Weil etwas in mir brennt. Weil ich spüre, dass daraus etwas entstehen kann.

Natürlich muss ich irgendwann den Schlaf nachholen. Dann muss ich vielleicht an einem anderen Tag schon um neun Uhr ins Bett gehen. Der Körper lässt sich nicht dauerhaft übergehen.

Aber Freude verändert, wie wir Belastung erleben.

Ich hasse es, Menschen ständig in Schonhaltungen zu schicken. Wir sind nicht hier, um uns vor jeder Bewegung, jeder Anstrengung und jeder Grenzerfahrung zu fürchten.

Wir sind hier, um zu leben.

Wir sind hier, um zu stürmen, zu drängen, etwas zu erschaffen und Glück zu erfahren. Aber wir sind nicht hier, um unseren Körper in einem Leben zu ruinieren, das uns längst keine Freude mehr macht.

Darum frage ich nicht nur:

Wie viel arbeitest du?

Ich frage:

Was macht dich glücklich?

Wofür gehst du über deine Grenzen? Wobei vergisst du die Zeit? Was gibt dir trotz aller Anstrengung etwas zurück?

Es gibt Belastungen, die müde machen und trotzdem erfüllen. Und es gibt Belastungen, die uns innerlich immer leerer werden lassen.

Wenn keine Freude mehr da ist, wenn kein Sinn mehr dahintersteht und wir nur noch funktionieren, beginnt für mich oft auch der Schmerz. Vielleicht zuerst als Unruhe, Erschöpfung oder Spannung. Irgendwann zeigt der Körper, dass etwas nicht mehr stimmt.

Darum brauchen wir beides: das Stürmen und Drängen – und danach wieder ein Frühlingserwachen.

Phasen, in denen wir alles geben. Aber auch Phasen, in denen wir schlafen, in den Wald gehen, einen besonderen Tee trinken, mit unseren Kindern staunen und wieder spüren, warum wir überhaupt hier sind.

Nicht weniger leben.

Sondern so leben, dass das Leben uns trotz aller Anstrengung immer wieder Freude zurückgibt.

 

Begründbare Lebensziele

Ich glaube, wir brauchen begründbare Lebensziele.

Für jemanden kann es ein großes Ziel sein, einen Ferrari zu kaufen. Das ist vollkommen in Ordnung. Jeder Mensch darf Wünsche und Träume haben.

Aber ich frage mich trotzdem:

Ist das ein begründbares Lebensziel?

Was entsteht daraus? Macht es nur dich selbst für einen Moment glücklich oder kannst du damit auch anderen eine Freude machen?

Ich glaube, alle schönen Dinge, die wir haben, sind dazu da, dass wir sie teilen.

Ein besonderer Tee wird für mich wertvoller, wenn ich ihn gemeinsam mit einem Menschen trinke. Ein guter Rum oder Whisky wird interessanter, wenn wir darüber sprechen, ihn riechen, verkosten und unsere Eindrücke teilen.

Wissen wird wertvoller, wenn wir es weitergeben. Freude wird größer, wenn wir andere Menschen daran teilhaben lassen.

Ein begründbares Lebensziel muss nichts Weltbewegendes sein.

Es kann bedeuten, für deine Kinder da zu sein. Einen Beruf auszuüben, in dem du Menschen hilfst. Mit deinen Händen etwas zu erschaffen. Wissen weiterzugeben. Menschen zusammenzubringen oder jemandem einen Moment zu schenken, in dem es ihm wieder besser geht.

Wenn du weißt, warum du etwas machst, verändert sich deine Haltung.

Die Belastung verschwindet dadurch nicht. Aber sie bekommt einen Sinn.

Und diese innere Haltung ist für mich auch eine körperliche Haltung. Was wir in uns tragen, strahlen wir nach außen aus. Wenn du nur noch unter Druck stehst, hält irgendwann auch dein Körper fest.

 

Eigene Rituale als Gegenbewegung

Ich schaffe es durch meine eigenen Rituale, mich immer wieder aus diesem Hamsterrad herauszunehmen.

Ich trinke besondere Tees aus Vietnam. Ich genieße bewusst einen guten Rum oder Whisky. Ich gehe in den Wald. Ich führe gute Gespräche in meiner Praxis. Ich versuche, mit meinen Kindern wieder ins Staunen zu kommen.

Dabei geht es nicht darum, Alkohol gegen Stress oder Schmerzen einzusetzen.

Es geht um das Ritual.

Es geht darum, dir bewusst Zeit zu nehmen. Etwas zu riechen, zu schmecken und wirklich wahrzunehmen. Im Wald nicht nur Kilometer zurückzulegen, sondern hinzuschauen. Mit deinen Kindern einen Käfer, einen Stein oder ein Geräusch zu entdecken und für einen Moment wirklich anwesend zu sein.

Wir Erwachsenen haben dieses Staunen oft verloren.

Wir sind körperlich an einem Ort, aber mit unseren Gedanken bereits bei den nächsten fünf Aufgaben.

Eigene Rituale reparieren keine Bandscheibe und ersetzen keine medizinische Abklärung. Aber sie können verändern, wie du mit deinem Leben, deinem Stress und deinem Körper umgehst.

Sie schaffen einen Gegenpol.

Sie helfen dir dabei, nicht nur zu funktionieren, sondern wieder etwas zu empfinden.

 

Pass auf vor der Therapiefalle

Ich sage meinen Patienten auch ganz ehrlich:

Pass auf vor der Therapiefalle.

Du kannst von einer Behandlung zur nächsten laufen. Du kannst ständig eine neue Methode ausprobieren und darauf hoffen, dass irgendwann jemand den einen Knopf drückt und alles wieder gut ist.

Therapie kann viel bewirken. Gezielte Körperarbeit kann entlasten, Spannung reduzieren, Beweglichkeit verbessern und deinem Körper neue Möglichkeiten geben.

Aber kein Therapeut kann dein ganzes Leben für dich übernehmen.

Es geht nicht darum, für immer von Behandlungen abhängig zu sein. Es geht darum, dir helfen zu lassen und gleichzeitig selbst weiterzuarbeiten.

Welche Übungen passen zu dir? Wo brauchst du Pausen? Welche Belastungen kannst du verändern? Was macht dir wirklich Freude? Wo musst du lernen, eine Grenze zu setzen?

Die entscheidende Frage ist nicht nur:

Wie bekommen wir den Schmerz weg?

Sondern:

Wie können wir ihn reduzieren – und welche Geschichte steckt dahinter?

 

Tausend Schlüssellöcher und ein passender Schlüssel

Mein Vater, der lange für die Merkur im Bereich orthopädischer Operationen gearbeitet hat, sagte immer zu mir:

„Christian, es gibt tausend Schlüssellöcher und oft nur den einen passenden Schlüssel.“

Dieser Satz ist mir geblieben.

Vielleicht besteht unsere Aufgabe nicht darin, jeden verfügbaren Schlüssel immer wieder in jede Tür zu stecken.

Vielleicht müssen wir den einen Schlüssel finden, der zu dir, zu deiner Geschichte und zu deinem Leben passt.

Für einen Menschen ist es eine bestimmte Behandlung. Für den nächsten eine Veränderung am Arbeitsplatz. Für jemand anderen ist es Bewegung, ein eigenes Ritual, eine medizinische Abklärung, ein gutes Gespräch oder endlich der Mut, eine Grenze zu setzen.

Es gibt nicht die eine Lösung für alle.

Die Kunst ist es, deinen Weg und deinen passenden Schlüssel zu finden.

Der Schmerz ist oft nicht der Anfang. Er ist das Ergebnis einer viel längeren Geschichte aus Erfahrungen, Ereignissen, körperlicher Arbeit, Überforderung, Haltung und manchmal auch einfach Pech.

Wir können nicht aus allem aussteigen.

Aber wir können Freiräume schaffen. Wir können wieder Dinge tun, die uns wirklich Freude bereiten. Wir können ins Staunen kommen, uns helfen lassen und gleichzeitig Verantwortung für unseren Körper übernehmen.

Vielleicht finden wir dadurch nicht das vollkommen schmerzfreie Leben.

Aber möglicherweise finden wir genau den Schlüssel, der die richtige Tür öffnet.

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Schmerz beginnt selten in dem Moment, in dem wir ihn zum ersten Mal spüren. Oft hat der Körper über Jahre ausgeglichen, getragen und kompensiert – bis seine Grenze erreicht ist. Was ist in den letzten zehn Jahren passiert? Welche Belastungen, Haltungen oder alten Beschwerden wirken bis heute nach? Und vor allem: Können wir diese Entwicklung früher erkennen, bevor aus einem leisen Signal ein dauerhaftes Problem wird?

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Meine Leistungen

Dorn-Breuss

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Triggerpoint-Behandlung

Lymph­drainage

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Regeneration

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